Christen in Raqqa unter islamisches Recht gestellt

04.03.2014 13:54

Islamisten, die die Stadt Raqqa am Euphrat kontrollieren, haben jetzt offiziell die Unterwerfung der Christen unter islamische Regeln durchgesetzt.

Christen müssen eine extra Steuer bezahlen (Jizya), dürfen ihre religiösen Riten nur noch in hinter verschlossenen Türen in Kirchen o.ä. feiern und das nur auf eine Art und Weise, dei nicht sichtbar oder hörbar für Muslime sind. Außerdem dürfen keinerlei christlichen Symbole sichtbar sein. In der Öffentlichkeit müssen sich Christen zudem islamischen Regeln im Geschäftsleben, in der Kleidungswahl und in Ernährungsfragen unterordnen. Außerdem dürfen sie keine Kirchengebäude oder Klöster etc. renovieren, die beschädigt wurden.

Diese Regeln wurden vom "Islamischen Staat im Irak und in Syrien" (ISIS) verfügt und mussten von christlichen Leitern unterzeichnet werden.

Damit wurden nun Regeln offiziell, die bisher schon inoffiziell in Raqqa praktiziert, seitdem die ISIS die Stadt unter ihre Kontrolle gebracht hat. Das Vertragswerk gibt den Christen die Option, entweder zum Islam zu konvertieren, die oben genannten Regelungen zu übernehmen oder als Feinde des Islam betrachtet zu werden, die bekämpft werden müssen.

 

Ergänzende Infos:

- 2011 hatte Raqqa eine Einwohnerzahl von 300.000, davon etwa 3.000 Christen (1 %).

- ISIS ("Islamischer Staat im Irak und in Syrien)" ist die gleiche Gruppierung, die gelegentlich auch ISIL (Islamischer Staat im Irak und der Levante) genannt wird, aufgrund der unterschiedlichen Übersetzung des Arabischen ash-Sham (was sowohl Syrien als auch die weiter gefasste Levante meinen kann).

- In den vergangenen Wochen war es zu Konflikten zwischen den verschiedenen islamistischen Gruppierungen ISIS und al-Nusra gekommen, die man in der vergangenen Woche nun offenbar beizulegen versuchte. Auch von Gefechten zwischen ISIS und anderen Oppositionsgruppen wurde berichtet.