Das Hauptproblem wird sein, eine Arbeit und Einkommen zu haben ...

15.10.2012 12:39

Brief aus Aleppo:

Liebe Beter,

vergangenen Woche war es wie die Woche zuvor, Kämpfe um uns herum, noch mehr geschlossene Straßen. Ich beginne mich damit anzufreunden, dass unsere Frauengruppe sich nun nicht mehr in der Kirche trifft, sondern sich in 3 Gruppen geteilt hat, die sich regelmäßig treffen und wo von Zeit zu Zeit auch neue Teilnehmer aus der Nachbarschaft dazukommen. 

Lasst mich unsere SItuation mal von einer aneren Perspektive aus beschreiben:

Wenn der Kampf in dein Wohngebiet kommt, bedeutet das dass du mindestens deine Einrichtung verlierst, vielleicht auch deinen Lebenstraum - deine Wohnung - oder sogar dein Leben oder das eines Familienmitgliedes.  

Was aber ist mit denen, die in Gebieten wohnen, wo nicht gekämpft wird? So wie dort, wo ich und viele aus unserer Kirche wohnen? Das Hauptproblem wird sein, eine Arbeit und Einkommen zu haben. Hier einige Beispiele: [Namen geändert]

Arved (Familie von 5 Personen): War ein Goldschmied, war seit 1 Jahr ohne Arbeit und entschied sich dann, etwas neues zu probieren. Er mietete im letzten April ein Geschäft im Midan-Viertel. Wegen der Kämpfe musste er es nun seit 5 Wochen geschlossen lassen.

John (Familie von 3 Personen): Er hatte einen LKW, der allerdings jetzt im zweiten Monat stillsteht aus verschiedenen Gründen: Besonders wegen der Sicherheitslage und weil das Benzin zu teuer ist.

Wilbert (Familie von 4 Personen): Sie stammen aus dem Irak und sind vor wenigen Jahren nach Syrien gekommen, wegen der gefährlichen Lage dort. Er ist Chemiker, aber auch seit 4 Monaten arbeiteslos, weil die Fabriken in Aleppo schließen.  

Ismael: (Single): Hat gerade seinen B.A.-Abschluss in Physik gemacht. Seine Familie hat einen kleinen Laden in der Innenstadt, wo er mitarbeitet, aber die Geschäfte dort sind einen Tag offen und dann mehr als 3 Tage geschlossen und schließlich mussten nach der letzten Explosion dort alle Geschäfte eine ganze Woche schließen.

Joseph (Single, MMB): Er arbeitete in einem Büro in der Verwaltung und verlor vor fünf Monaten seine Arbeit, als das Verwaltungsgebäude von der Opposition in die Luft gesprengt wurde. Dann fand er eine Druckerei, aber wegen der schlimmen Situation hat auch die vor 2 Monaten geschlossen.  

Moses (Familie von 5 Personen, MMB): Von seiner Familie kommt nur er zur Kirche. Er hat einen kleinen Laden, aber der ist fast leer, weil er kein Geld hat, um Waren zu kaufen. Gleichzeitig hat er auch Angst Sachen zu kaufen, denn niemand weiß, ob nicht der Krieg morgen oder nächste Woche in seiner Straße ankommt.

Dann gibt es noch einige, die auf ihre baldige Graduierung von der Universität warten, die nun Angst haben, dass das dieses Jahr vielleicht gar nicht geschieht. Oder ein Mädchen, das im letzten Jahr der High School ist, was ein sehr wichtiges Jahr in Syrien ist. Eine ältere Frau, die ganz auf das Einkommen ihres Sohnes angewiesenist, der aber keine Arbeit hat.

All das sind reale Fälle aus unserer Kirche. So könnt ihr euch die Situation etwas vorstellen und wie wir uns all die Zeit über fühlen - nicht nur was uns selbst, die Familie und die Gemeinde angeht, sondern die ganze Gesellschaft um uns herum.

Möge Gott eure Länder im Frieden erhalten!