Der Weg durchs finstere Tal - Situationsbericht Aleppo Anfang Mai

06.05.2013 09:52

Aus Aleppo erreichte uns ein Situationsbericht für Anfang Mai, aus dem wir einige Passagen hier wiedergeben wollen:  

 

Wirtschaft:  

+ Die meisten Fabriken und industriellen Betriebe arbeiten nicht mehr (mehr als 93 %), vieles wurde gestohlen.

+ Mehl und Weizen erhalten wir aus der Türkei zu sehr teuren Preisen - wobei wir glauben, dass es eigentlich unser Mehl und Weizen ist, das ursprünglich aus Syrien geraubt wurde

+ Gas-Zylinder zum Kochen sind immer noch ein Traum. Jeder Zylinder kostet um die 75-80 US-Dollar (früher kostete es 7 US-Dollar)

+ Es gibt eine Verbesserung, was den Strom angeht: Wir haben jetzt etwa 3-6 Stunden Strom pro Tag, normalerweise allerdings mitten in der Nacht.

+ Was Benzin und Treibstoff angeht, gibt es keine Verbesserungen

HERR erbarme dich!

 

Gesundheitssystem:

+ Die Zahl der Ärzte wird weniger, Tag für Tag. Die meisten flüchten, wenn sie können. Das ist hart für uns, die wir bleiben, vor allem, wenn wir bestimmte Spezialisten brauchten.

+ Weitere Krankenhäuser sind geschlossen worden oder von den Rebellen übernommen worden. Nach der Offensive im Stadtviertel Sheikh Maqsood, haben wir zwei christliche Krankenhäuser verloren, eines wurde von Armeniern geführt, das andere von arabischen Christen.

+ Es herrscht immer noch Mangel an Medikamenten. Für Sauerstoff-Zylinder, die sonst nur 2,5 US-Dollar kosten, verlangen sie jetzt 27-30 US-Dollar.

+ Der Transport von Patienten ist ein weiteres Problem. Oft geraten die Krankenwagen unter Feuer. Viele sind zerstört und können nicht mehr eingesetzt werden.

HERR erbarme dich!

 

Opposition und kämpfende Gruppen:

+ Die Kurdischen Gruppen und die Freie Syrische Armee haben Probleme miteinander und bekämpfen sich. Es soll 45 Frauen geben, die für die kurdische PKK hier kämpfen, 5 davon sollen letzte Woche entführt und vergewaltigt worden sein.

HERR erbarmne dich!

 

Diverses: 

+ Unsere syrische Zentralbank von Aleppo bekommt nicht mehr genug Banknoten wegen der unsicheren Transportwege. Das hat unter uns allen eine große Verunsicherung ausgelöst.

+ Die Armut nimmt zu, weil die Leute kein Einkommen haben und man vom Ersparten leben muss.

+ Die Zahl der entführten Personen nimmt zu.Wir leben all hier in einem großen Gefängnis, weiß die Wege zu unsicher geworden sind.

+ Trotz all dem sind die Kirchen weiter offen und tun ihren Dienst durch ihre Gottesdienste, Messen und verschiedenen Dienste. Letzte Woche gab es - trotz all der Turbulenzen und Schwierigkeiten - drei Taufzeremonien in der Kirche. Die Hälfte der Täuflinge kamen aus ursprünglich muslimischen Familien.

LOBE DEN HERRN!

 

Wo stehen wir jetzt?

+ In den letzten 5 Tagen, beginnend von Montag bis heute, hatten wir mehr als 45-50 Granaten, Raketen etc., die in unser Gebiet eingeschlagen sind (in das christliche Stadtviertel von Sulaymaniah). Die Zerstörung war enorm: Autos, Geschäfte und Fensterscheiben u.s.w. Es gab 4 Todesopfer. Mehr als 48 sind verwundete und verletzte Patienten. Es gibt hier im Gebiet zwei gute christliche Krankenhäuser.

+ Wir fühlen, dass wir durch das finstere Tal gehen müssen, von dem in Psalm 23 die Rede ist (wörtlich: "Tal des Todes-Schattens"). Aber, wie die Verheissung sagt, wenn wir durch das Tag der Tränen gehen müssen, wird es zu einem Platz der Quellen werden; und die Herbstregen bedecken es ebenfalls mit Wassern (des Segens). Vergleiche Psalm 84,6 und 7: "Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln! Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund und Frühregen hüllt es in Segen."