Heftige Kämpfe in Ashrafyyeh (Aleppo)

18.02.2013 09:56

Liebe Brüder und Schwestern,

seit meinem letzten Mail an euch, das fast 10 Tage her ist, ist die Situation weiter schlechter geworden.

Wieder hat ein Kampf begonnen in dem gleichen Viertel, nahe bei unserem Viertel, das man "Ashrafyyeh" nennt. Viele haben ihr Zuhause verlassen und sind vor den heftigen Kämpfen geflohen. Ich kann von mindestens 3 Familien berichten, die zu unserer Gemeinde gehören (sie kommen ursprünglich von muslimischem Hintergrund), die ihre Wohnungen auch verlassen haben. Eine der Familien kam in dieses Gebiet als Flüchtling aus einem anderen Stadtviertel, so dass das jetzt ihre zweite Vertreibung ist.

Es gibt natürlich noch weitere Gläubige in diesem Gebiet und ich denke, dass sie auch diesen Ort verlassen haben. Eine Familie lebt jetzt bei ihren Verwandten, etwa 20 Personen in einem Raum!

Donnerstag Morgen ging ich raus, um zu sehen, wie es in diesem Gebiet aussieht und ob unsere Brüder und Schwestern in ihre Häuser zurückkehren konnten. Mitten auf dem Weg schlug eine Kugel wenige Zentimeter neben mir ein (wohl von einem Scharfschützen), so dass ich sofort umkehren musste.

Auch habe ich meine Pläne, für einige Tage nach Damaskus und nach Beirut zu reisen, jetzt zur Seite gelegt, nach der schlimmen Nachricht vom  Montag, den 11. Februar: Zwei Priester wurden nur etwa 20 Kilometer von Aleppo entführt, Michel Kayyal von der Armenisch-Katholischen Kirche und Isaac Mahfoud von der Griechisch-Orthodoxen Kirche. Dass Christen auf der Autobahn von Aleppo nach Homs entführt werden, ist jetzt eine sehr reale, tägliche Gefahr. Und auch Christen Angst einzujagen, dass man sie tötet oder ihnen zu sagen, dass sie sich darauf vorbereiten sollen, bald unter das islamische Gesetz zu kommen, gehört hier zu den täglichen Nachrichten von der Opposition. Sie träumen davon und planen aus Syrien ein Afghanistan zu machen.

Während der letzten 10 Tage, waren wir selbst 4 Tage komplett ohne Strom, während dort, wo das Kirchengebäude ist, nun seit 2 Wochen kein Strom mehr ist. Und in einem anderen Gebiet, wo einige Familien aus unserer Gemeinde wohnen, es jetzt sogar schon 3 Wochen sind - ohne jeglichen Strom! 

Wie kann ich unser tägliches Leben beschreiben? Es ist sehr verlangsamt und leer. Es ist wie eine Windmühle, die nicht arbeitet, sondern nur Lärm macht und üblen Geruch verbreitet.

Vielen Dank für eure Gebete - sie sind der Schlüssel für unser Durchhalten!

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