Meldung über 20 zerstörte Kirchen in Aleppo

07.10.2016 15:18

Durch eine Meldung in der Presse, dass in den letzten Tagen durch russische Luftangriffe 20 Kirchen in Aleppo zerstört worden seien, ist es zu einigen Irritationen gekommen. Es entstand der Eindruck, die russische Armee bombardiere nun die Christen Aleppos. Dieser Eindruck ist falsch!

 

Dazu stellen wir klar:

 

* Die Meldung, 20 Kirchen in Aleppo seien in den letzten Tagen durch Luftangriffe zerstört worden (was ein russischer Militär bestätigt habe), geht auf eine Falschmeldung von ChristianTimes zurück, die andere zitiert haben:  http://christiantimes.com/article/airstrikes-destroy-at-least-20-churches-in-aleppo/63871.htm

 

* Die von ChrstianTimes verbreitete, falsche Nachricht gibt als ihre Quelle eine Äußerung von Alexander Dzasokhov an, die über Interfax verbreitet worden sei. Sieht man diese Quelle (http://www.freerepublic.com/focus/f-religion/3474276/posts) allerdings ein, stellt man fest:

 

1. Die Quelle Alexander Dzaskhov ist kein russischer Militär oder Regierungsbeamter, sondern ein russischer UNESCO Mitarbeiter.

2. Er spricht davon, dass seit Beginn des Krieges in Aleppo 20 Kirchen zerstört/beschädigt wurden. Es geht ihm darum, aufzuzeigen, welche Kulturgüter durch den Krieg verlorengehen. Es geht ihm also nicht um die letzten Tage.

3. Er spricht auch nicht von Zerstörungen von Kirchen durch die (russischen) Luftschläge der Offensive der letzten Tage, sondern allgemein von Zerstörungen der letzten Jahre – durch wen auch immer …

4. Die Meldung der ChristianTimes gibt seine Aussage falsch wieder und stellt sie – zu Unrecht – in den Kontext der Offensive gegen (Ost)-Aleppo. Dies kann den Eindruck erwecken, dass die Russen nun die Christen in Syrien bombardieren. Dies ist nicht richtig:

Die Christen in Aleppo leben im Westteil der Stadt, der von Assads Truppen gehalten wird. Das Bombardement der Russen geschieht nicht im Westen der Stadt, sondern im Osten Aleppos. Es richtet sich nicht gegen die Christen, sondern gegen die radikal-islamische Al-Nusra und andere Milizen.

 

Betroffen ist im Osten Aleppos allerdings die gesamte Bevölkerung – was derzeit die große Tragödie ist. Es geht uns deshalb in keiner Weise um eine Relativierung des Schicksals der Menschen dort gegenüber dem der Christen im Westen der Stadt – nur um eine Richtigstellung einer Nachricht, die zu Irritationen und falschen Rückschlüssen geführt hat.

 

Andreas Baumann, Christl. Hilfsbund im Orient e.V.