Welche Optionen gibt es für die immer stärker bedrohten Christen in Syrien?

21.11.2012 14:07

 

In einer Pressemitteilung vom 20. November 2012 weist der "Weltrat der Aramäer (Syriacs)" (WCA) darauf hin, dass es verstärkt Hinweise auf Gewalt mit "konfessionsgebundenem" Hintergrund gebe. Das Ziel solcher aggressiver Akte und des Blutvergießens würden immer stärker die einheimischen aramäischen (Syriac) Christen. Der Syrisch-Orthodoxe Erzbischof Matta Roham aus Hassake glaubt, dass "Christen immer stärker von der Krise betroffen sind. Nach dem was in Homs, Aleppo und nun auch Ras-Al-Ayn geschehen ist, bin ich mir nicht sicher, ob die Christen überhaupt noch einen Ort haben werden, wohin sie gehen können. Auf dem Hintergrund der Aktivitäten, die jetzt im Norden Syriens vor sich gehen, fürchten wir, dass auch Al-Qamishli und Al-Hassake als nächstes betroffen sein werden. Was bleibt dann für die Christen noch? Im Angesicht des Todes werden sie vermutlich versuchen, dieses wunderbare Land zu verlassen und keiner wird sie davon abhalten können."

Tatsächlich stellt sich die Frage, wie die Christen sich verhalten können, wenn sie weiter zwischen die Fronten geraten? An einigen Orten hat sich die christliche Bevölkerung dazu entschlossen, gemeinsam mit Arabern und Kurden eigene lokale Polizeikräfte für ihre Orte zu bilden, die für Sicherheit sorgen sollen. An anderen Stellen gibt es Hinweise, dass Christen verstärkt sich selbst bewaffnen, mit der einfachen Absicht, sich, ihre Familien und ihre Gemeinschaft zu schützen. Manche versuchen sich auch einfach als neutral zu deklarieren und möglichst öffentlich sichtbar zu machen, dass sie Christen sind, die nichts mit dem Krieg zu tun haben (Die Syrisch-Orthodoxe Kirche stellt tagtäglich mehr als 100 Taufbelege aus, die es den Christen ermöglichen sollen, sich als Christen auszuweisen). Die andere Möglichkeit ist die Flucht - doch ist die Frage wohin? Entweder man flieht innerhalb des Landes, wie etwa die mehr als 1000 aramäischen Familien, die hauptsächlich von Ras-Al-Ayn und Deir ez-Zor nach Al-Hassake gekommen sind. Zunehmend flieht man allerdings ins Ausland, in den Libanon, die Türkei oder in den Irak (nach Jordanien sind bisher nur wenige Christen geflohen). Erwähnenswert ist, dass die Armenier in Syrien das Recht haben, die Armenische Staatsbürgerschaft (der Republik Armenien) zu beanspruchen - Tausende haben das inzwischen schon in Anspruch genommen und sind nach Armenien abgewandert. Solange der Krieg in Syrien weiter eskaliert, ist es klar, dass die MInderheiten im Land um ihre Zukunft Angst haben. Die verwundbarsten Mitglieder der Gesellschaft in Kriegszeiten sind typischerweise diejenigen, die sich selbst nicht verteidigen können. In diesem Fall sind es die christlichen Gemeinschaften.

 

Vergleiche die Pressemeldung des "World Council of Arameans (Syriacs)":

WCA_Press Release_The Reality of Sectarian Violence in Syria_201112.pdf (601,6 kB)

Erzbischof Matta Roham