Armenier im Kessab: "Wir erleben es als die Fortsetzung des Völkermordes ..."

25.03.2014 08:59

Seit gestern gehen bei uns verschiedenste E-Mails und Berichte über die Situation im Kessab ein. Hier eine Nachricht von einem der mit uns verbundenen Pastoren aus Aleppo: 

Liebe Schwestern und Brüder beim Hilfsbund,

ich schreibe, um euch zu informieren, dass die hauptsächlich armenisch besiedelte Stadt Kessab, 60 km von der Küstenstadt Latakia (meiner Heimatstadt) entferntt, von seinen Einwohnern entleert wurde, nachdem fanatische Rebellengruppen (al-Qaida, al-Nusra und andere) die Region angegriffen haben.

Kessab wurde die letzten Tage dauerhaft beschossen von Kämpfern, die von der türkischen Grenze kamen. Am 22. März ist die Bevölkerung der Stadt (etwa 650 Familien) dann nach Latakia geflohen.

Jetzt sind Kessab und die umliegenden Dörfer weithin unter der Kontrolle der Rebellen. Sie haben Kirchen entweiht, Häuser geplündert und Regierungsgebäude zerstört, etc.

Die Rebellen kamen nicht nur von der türkischen Seite der Grenze, das türkische Militär hat sie offenbar also unterstützt. Auch die verletzten unter ihnen wurden in die Türkei zurücktransportiert, um dort medizinisch versorgt zu werden.

In der nordwestlichen Ecke Syriens gelegen, direkt an der Grenze zur Türkei, hatte die Kessab-Region bis vor Kurzem größeren Kämpfen zwischen Regierung und Rebellen entgehen können. Viele Syrer hatten hier sogar Zuflucht gesucht im Kessab, weil es hier in der Region relativ ruhig war in den vergangenen drei Jahren.

In einem Wort: All das erinnert und nicht nur an das, was uns vor 100 Jahren passiert ist: den armenischen Genozid. Wir erleben es vielmehr als die Fortsetzung des Völkermordes ...

Gott habe Erbarmen! Bitte betet weiter für die Menschen hier.

Mit den besten Wünschen und Gebeten ...

P.S.: Meine Mutter (82 Jahre alt) und meine Tante (92 Jahre alt) und meine Cousins und Verwandten sind jetzt ebenfalls in Latakia in Sicherheit.