Der "Grenzgänger" - ein neuer Beruf in Aleppo

07.11.2013 12:35

In einem Schreiben berichtet uns einer unserer Brüder aus Aleppo darüber, wie die Kriegssituation in Aleppo einen neuen Berufsstand hervorgebracht hat: Den "Grenzgänger":

"Die Blockade, die nun schon 3 Monate besteht, ist etwas erträglicher geworden durch einen neuen Berufsstand: Den "Grenzgänger", also denjenigen, der über einen Check-point zwischen den 2 Zonen hinüberwechselt. Die Rebellen, die die Blockade in die Wege geleitet haben, erlauben Fußgängern den Übergange von einer Seite zur anderen. Hunderttausende nutzen das Tag für Tag - z.T. weil sie im anderen Bereich eine Arbeit haben. Sie erlauben den Fußgängern auch so viele kleine Plastiktüten mit sich zu nehmen, wie sie mit ihren 2 Händen tragen können (Lastwagen oder ähnliches dürfen die Checkpoints nicht passieren). So bringen die Fußgänger jeweils etwas mit, 1 kg Tomaten, Kürbisse, Rosinen ... Wenn man dann in Aleppo ist, dann geben die "Grenzgänger" ihre Ware bei denen ab, mit denen sie zusammenarbeiten und kehren wieder zurück - diesmal mit anderen Waren ... 1 Kg plus 1 Kg plus 1 Kg, das ergibt dann bald Dutzende von Kilos, die man dann verkaufen kann in den Läden und improvisierten Ständen, die es jetzt in Aleppo gibt. Die Preise sind allerding extrem hoch, auch dadurch bedingt, dass die Waren durch die Hände mehrerer Mittelsmänner gegangen ist und sie an manchen Stellen z.T. auch Bakschich zahlen müssen ... Die Preise hier in Aleppo sind etwa 5mal so hoch, wie jenseits der Grenze. ... Offiziell wird es nicht erlaubt, Treibstoff und Benzin, die Grenze passieren zu lassen. Ich konnte aber bei einem Händler tatsächlich 1000 Liter Benzin kaufen ... "Grenzgänger" hatten es über die Grenze gebracht, in über 100 Plastiktaschen - getarnt als Essig ...   

Wir waren 3 Wochen ganz ohne Telefon und 6 Wochen ohne Internet ... Man hat aber versprochen, dass es durch das Öffnen einer neuen Route um die Gebiete der Rebellen herum, in Zukunft möglich sein soll, dass die Dinge geliefer werden können, die hier fehlen und dass man auch wieder reisen kann. ... "