Der Tod spielt mit uns Verstecken ...

02.10.2014 14:50

Gerade erreicht uns ein bedrückender Text (mit der Überschrift "Warten auf den Tod") eines der Pastoren in Aleppo. Wir geben ihn hier in freier Übersetzung wieder mit der Bitte, ihn zum Anlass zu nehmen, um für diesen Pastor - und für alle anderen betroffenen Glaubensgeschwister in Aleppo zu beten!

Warten auf den Tod

Ich sitze hier in meinem Zimmer in tiefer Dunkelheit - weil wir jeden Tag nur eine Stunde oder weniger Strom bekommen. Es ist Mitternacht und zusammen mit anderen hier in dem Gebäude in dem ich lebe warten wir darauf, dass der Tod uns besucht. Es ist, als ob der Tod Verstecken mit uns spielt. 

Zwei Granaten sind in dem Gebäude vor unserem eingeschlagen, eine weitere rechts neben uns, und noch eine auf ein Gebäude in der nächsten Straße ... aber nicht in unser Haus ...

Die Frage ist also: Wird das Nächste unser Gebäude sein? Aber wann wird das sein? Soll ich in meinem Bett bleiben, so dass ich dort dann "in Frieden ruhen" kann? Oder sollte ich runter gehen ins Erdgeschoss? Aber bis wann soll ich dort bleiben? Sollte ich schlafen oder ist es besser wach zu bleiben, um den Moment zu spüren, wenn der Tod kommen wird - auf einer dieser Raketen reitend?

Wow! Das war eben noch eine Granate, die das vierstöckige Gebäude in dem ich wohne, erschüttert hat. Fenster werden von der Wucht ausgeschlagen und ängstliche Schreie kommen von da und dort.

Aber es ist Mitternacht und es gibt kein Licht, um rauszugehen und zu schauen, was passiert. Und was wäre, wenn eine weitere Rakete einschlüge, gerade wenn ich draußen bin, um zu sehen, was genau passiert ist.

Ich denke es ist besser, hier im Raum zu bleiben und hier auf den Tod zu warten, der hier wie verrückt herumfliegt.

Zumindest habe ich vor ein paar Stunden noch eine Dusche nehmen können. Ihr wisst, wie ich das meine, oder?

Hier ist noch eine Granate. Ich denke es ist besser, jetzt still zu sein.

Aleppo, Mitternacht des 1. Oktober 2014