Ein Brief aus Aleppo (Syrien) zum „Weltweiten Gebetstag für verfolgte Christen“

05.11.2012 09:23

Anlässlich des "Weltweiten Gebetstages für verfolgte Christen" am 11.11.2012 schreibt uns ein Pastor aus Aleppo:

 

Liebe Gebetspartner,

während der letzten Woche, die eigentlich wegen des muslimischen Adha-Festes eine Zeit des Waffenstillstandes sein sollte, gab es keinen Waffenstillstand, sondern nur eine Verringerung des Beschusses. Einer der Brüder, der meine Rundbriefe liest, erinnerte mich daran, dass am kommenden Sonntag der „Gebetstag für die verfolgte Gemeinde“ ist und fragte mich zur Situation der Christen in Syrien.

Wenn man in dieser Hinsicht über Syrien spricht, muss man zwei Phasen unterscheiden:

Vor der „Jasmin-Revolution": Wir können nicht sagen, dass es hier vor mehr als einem Jahr irgendeine Verfolgung von Christen gab, weil sie Christen waren. Und wenn Christen irgendwelche Rechte vorbehalten wurden, dann war es etwas, was so auch alle anderen Minderheiten betraf.  Verglichen mit der Situation in anderen Ländern der Region denke ich, dass in Syrien – nach dem Libanon – die Situation am besten war. Diese Situation gilt auch für die Neubekehrten aus islamischem Hintergrund, gegen die die Regierung im Allgemeinen nichts getan hat, selbst wenn nach dem Gesetz Muslime eigentlich nicht vom Islam zu einer anderen Religion konvertieren können.  Die hauptsächlichen Schwierigkeiten für solche Konvertiten kamen von ihrem Stamm oder ihrer Religionsgemeinschaft. Generell hatten sich die Christen (arabische, syrische assyrische und armenische) über Generationen den Respekt der anderen erworben wegen ihrer Ehrlichkeit und der guten Ausbildungsarbeit und wegen anderer Dinge …

Nach der „Jasmin-Revolution": Nach der neuen Situation in Syrien sehen wir fundamentalistischen Gruppierungen, die hier und dort aktiv sind, wir hören, dass über „Islamische Emirate“ (ein Gebiet unter muslimischen Herrschaft und islamischem Gesetz) gesprochen wird, Menschen werden getötet nach dem Scharia-Gesetz. Das alles erweckt in uns den Eindruck, dass der Jasmin, von dem sie in den letzten Monaten reden, einen schlechten Geruch haben wird. Während des letzten Jahres hat man Christen immer wieder gesagt: Wir haben kein Problem mit euch, ein Problem haben wir nur mit den Alawiten [die islamische Bevölkerungsgruppe, die – obwohl sie eine Minderheit in Syrien ist, die Regierung stellt] und mit der Regierung. Aber man muss so schlau sein, einmal nachzufragen, wenn sie so etwas anderen Muslimen antun, was denkt ihr werden sie mit Christen machen? In anderen Ländern haben wir viele Beispiele dafür …

 Während des letzten Jahres hatten wir eine ganze Anzahl teilweise oder ganz zerstörte Kirchen – etwas was es in Syrien in den letzten einhundert Jahren nicht gegeben hat!

Würdet ihr bitte beten für:

- Einfach dafür, dass der Krieg aufhört.

- Für unsere Brüder und Schwestern, die aus dem Islam konvertiert sind, dass sie in dieser neuen Situation sicher sind und ein Zeugnis sein können

- Für die Christen, die fragen: Was dann? Sollen wir bleiben oder das Land verlassen – aber wohin? Wir haben keine Botschaft wo wir hin können und fast alle Länder lehnen es ab uns Visa zu geben.

- Für entführte Christen. Die letzten beiden, die entführt wurden sind George und Mano – zwei Mitarbeiter der Bibelgesellschaft in Aleppo. Es sieht so aus, dass der Druck auf die Christen begonnen hat und viele islamische Gruppen arbeiten hart daran, die Christen dazu zu verpflichten das Land zu verlassen.

- Für die beschädigten Kirchen, für Veränderung der Situation und das Geld, sie wieder aufzubauen.

- Gegen die Versuchung, die Kämpfe weiter anzuheizen; alle Parteien versuchen unsere Jugend in diese Dinge mit hineinzuziehen.

 

DANKE FÜR ALLE FÜRBITTE!