Nachricht aus dem belagerten Aleppo

11.08.2016 13:01

Aufgrund der aktuellen Kampfhandlungen rund um Aleppo ist die Stadt von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten. Von einem unserer Partner erhielten wir gestern folgende Nachricht aus dem belagerten Aleppo:

 

Lieber …

danke für deine Nachricht. Aleppo ist seit 5 Tagen vollkommen belagert, kein Reinkommen, kein Rauskommen. Kein Wasser, kein Lebensmittel-Nachschub, kein Strom.  Aber dem Herrn sei Dank: die Trinkwasser-Brunnen arbeiten weiter. Aber – wie du dir denken kannst – haben wir nicht genug Lebensmittel und ich weiß nicht, wie wir dieses Problem werden lösen können. Internetverbindung gibt es manchmal, aber unbeständig – und wir können keine Mails mit Fotos etc. verschicken.

Dem Herrn sei Dank, gab es in unseren Wohnvierteln in der letzten Zeit keinen Beschuss mit Granaten.

Wir dachten, dass die Regierung Fortschritte macht, nachdem sie die Castello-Straße im Norden eingenommen hatten, aber das ist jetzt alles ins Stocken geraten und es macht jetzt sogar Rückschritte

Wir danken euch für eure Gebete. Möge der Herr euch weiterhin reich segnen.

Betet weiter für uns, wir haben das sehr nötig!

Herzliche Grüße an alle!

 

Zum Hintergrund:

Nachdem die Regierung Mitte/Ende Juli die wichtige Castello-Road im Norden Aleppos unter ihre Kontrolle gebracht hat, war der Osten der Stadt (Rebellengebiet) von der Außerwelt abgeschnitten. Das schien ein wichtiger strategischer Erfolg für das Regime zu sein.

Nun haben die Rebellen vor etwa .einer Woche im Süden Aleppos einen anderen Zugang zu diesem abgeschnittenen Rebellen-Gebiet im Osten erkämpft, der allerdings noch nicht sicher ist, sondern weiter umkämpft.

Das Problem für die Christen im Zentrum der Stadt: Der ganze Zugang mit Nahrungsmitteln etc. erfolgte über dieses Gebiet im Süden, was nun Rebellengebiet ist, bzw. hart umkämpft. D.h., dass jetzt auch die westlichen Teile und das Zentrum der Stadt von der Versorgung abgeschnitten sind. Dadurch, dass die Kämpfe andauern, bzw. die Zugänge zu den Stadtteilen beschossen werden können und nicht sicher sind, ist jetzt praktisch ganz Aleppo von der Außenwelt abgeschnitten.

In Zusammenarbeit mit dem Hilfsbund und anderen hat unsere einheimische christliche Partnerorganisation in den zurückliegenden 3 Jahren fast 40 Trinkwasser-Brunnen in Aleppo gebaut, die in den Situationen, in denen die zentrale Wasserversorgung zusammenbricht, eine dezentrale Versorgung sicherstellen soll – was zur Zeit wieder einmal überlebenswichtig ist! Daneben unterstützt der Hilfsbund die humanitäre Hilfsarbeit der armenisch-evangelischen Kirchengemeinden in Aleppo.

 

Vgl. dazu folgende pdf mit Bildern zur Erläuterung der Situation in Aleppo:

Situation Aleppo 02.pdf (2557550)