Vom Alltag in Aleppo

14.08.2014 13:27

Letzte Woche erreichte uns folgende Nachricht von einem der Pastoren aus Aleppo:


Liebe Freunde,

es ist schon einen Monat her seit meiner letzten Nachricht,
ich weiß - das ist eine lange Zeit. Für uns hier in Aleppo ist der Alltag aber immer noch ähnlich. Was die Kampfhandlungen angeht, gab es keine großen
Veränderungen.

Noch immer werden wir mit allen möglichen Arten von Granaten
und Raketen beschossen, und da und dort werden Menschen davon getötet oder die
Wohnung einer armen Familie wird zur Ruine.

Strom haben wir 1,5 Stunden am Morgen und 1,5 Stunden am Abend
- aber auch nicht immer: Letzte Wochen hatten wir 4 Tage überhaupt keinen Strom.

Was den Strom angeht versuchen jetzt einige daraus Profit zu
schlagen: Sie stellen einen Generator auf der Straße aus und bieten an, Strom
zu verkaufen. Für einen Monat kostet das 6000 Syrische Pfund. Man bekommt dafür
jeden Tag 6 Stunden Strom für 2 Lampen und einen Fernseher. Früher bekamen wir
rund um die Uhr, an jedem Tag und für alle Geräte Strom und es kostete
vielleicht 1000 Syrische Pfund!

Das große Problem ist noch immer das Wasser. Normalerweise
bekommen wir alle 8-10 Tage einmal für 2 Stunden Wasser. Und in dem Viertel wo
ich wohne hatten wir heute zum ersten Mal seit 30 Tagen für 2 Stunden Wasser.
Und das Problem ist: Das Wasser kommt, wenn es u.U. keinen Strom gibt. Das
bedeutet, dass diejenigen, die keinen Generator haben, das Wasser dann gar
nicht einfach so auf einen Tank auf dem Dach pumpen können.

Das tägliche Leben hat sich verlangsamt: Die meisten Leute
sind einfach damit beschäftigt, auf die Strom- und Wasser-Versorgung zu schauen
und zu sehen, ob es Treibstoff und Gas zum Kochen gibt, und wie die Preise sich
entwickeln. Oder wo es durch eine Granate wieder Tote gegeben hat.

Und was die Christen angeht, kommt die Sorge dazu, die ISIS
könnte aus nahegelegenen Städten eine Offensive starten - wie sie es im Irak
mit Mosul gemacht haben.

Tragisch wird es, wenn jemand schwer krank wird. Letzte
Woche musste ein Bruder seine Tochter für 3 Tage ins Krankenhaus bringen. Er
hat dafür 40.000 Syrische Pfund bezahlen müssen. Für einen Mann wie ihn, ist
das eine Menge, denn seit er sein Haus und seinen Laden verloren hat, ist er
nun schon seit 2 Jahren ohne Arbeit und Einkommen.

Danke, liebe Brüder und Schwestern, dass ihr weiter für uns
bete!

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